Die Macht der Sprache.
Wer als Arzt, Psychotherapeut, Heilpraktiker, Apotheker oder Physiotherapeut tätig ist, wird immer öfter im Alltag erleben, dass es nicht nur darauf ankommt, Informationen zu geben.
Jeder Lehrer wird bestätigen, dass sein Erfolg bei den Schülern nicht nur davon abhängt, was er vermittelt, sondern wie er es vermittelt.
Wir erleben, dass wir auf diese Situation kaum vorbereitet sind: Rhetorik, Charisma und Führungsqualität kamen in unserer Ausbildung nicht vor. Unsere Patienten machen uns deutlich, dass sie etwas vermissen an unserer Ausstrahlung.
Wir selbst spüren, dass wir durch Studium und Weiterbildung nicht aufmerksam wurden, dass ein guter Therapeut vor allem durch die Macht seiner Sprache wirksam wird.
Wer derart seine Rolle neu reflektiert, wird erkennen, dass seine Aufgabe die eines Künstlers ist: mithilfe der Sprache nicht nur informieren, sondern faszinieren, verzaubern und neue Erkenntnisse zu vermitteln. Der Therapeut als Künstler, ein hoher Anspruch, der einige Kriterien erfüllen sollte.
Da ist zunächst die Überraschung. Sie ist frisch und bringt den Zustand unseres Zuhörers in erhöhte Aufmerksamkeit.
Aber nicht nur der Empfänger einer Nachricht kann überrascht werden. Auch der Sender sollte Überraschung erleben: Selbst-Überraschung ist das Ziel. Der Zuhörer spürt es sofort, wenn der Sender selbst von der Botschaft überrascht wird. Und hier wird deutlich, dass nicht nur der Proband sondern auch der Therapeut im Zustand der Trance sein sollte. Denn nur in Trance sind Überraschungen möglich.
Hypnose ist also in idealer Weise ein wechselseitiger Prozess. Beide öffnen sich dem Unbekannten, ein künstlerischer Prozess. Dies entspricht einem amerikanischen Motto: Forward to the Unknown! Vorwärts zum Unbekannten!
Dennoch bleibt eine gewisse Asymmetrie: dem Therapeuten bleibt die Aufgabe, den Probanden zu begleiten und eine aufmerksame Führung zu übernehmen.
Wie aber können wir nachholen, was wir rechtzeitig nicht gelernt haben? Ich selbst hatte Gelegenheit dazu in einem sechs Tage-Kurs zum Hypnosetherapeut.
Was hat aber Gesundheitsdidaktik mit Hypnose zu tun? Hier will ich zunächst einmal erklären, wie Hypnose funktioniert.
Hypnose ist Kommunikation mit dem Unterbewusstsein. Das Unterbewusstsein ist die Instanz, die zahlreiche vitale Funktionen im Bereich von Kreislauf, Immunsystem und Stoffwechsel steuert. Das Bewusstsein andererseits steuert die Befehle des Verstandes.
Wir Therapeuten sind gewohnt, unsere Botschaften an das Bewusstsein, also den Verstand zu richten und wundern uns, dass unsere Botschaften zwar verstanden werden, jedoch nicht wirksam sind.
Wir sollten also lernen, unsere Botschaften so zu formulieren, dass sie vom Unterbewusstsein aufgenommen werden. Dazu brauchen wir die Hypnose.
Voraussetzung dazu ist die Trance, ein Zustand, den jeder Mensch kennt. Wenn wir einen Film erleben, sind wir meistens im Zustand der Trance. Der Verstand ist weitgehend abgeschaltet, das Unterbewusstsein ist auf Aufnahme geschaltet. Trance ist also nicht etwa ein esoterischer Sonderzustand sondern für jeden Menschen Normalität.
In einer Hypnoseausbildung lernt jeder Kursteilnehmer, wie er seinen Probanden in einen Zustand der Trance bringen kann. Der Fokus des Bewusstseins sollte nach innen wandern. Die Schleusen des Unterbewussten sollten geöffnet werden. Der Verstand sollte sich weitgehend zurückziehen.
Jeder Kursteilnehmer lernt, seinen Probanden genau zu beobachten und festzustellen, ob er die Trance erreicht hat. Eine wichtige Voraussetzung ist der Augenschluss, der es dem Probanden erleichtert, nach innen zu gehen.
Im nächsten Schritt werden die Ziele angegangen, die mit dem Klienten im Vorgespräch erörtert wurden. Als Beispiele seien genannt: Verbesserung des Selbstbewusstseins, beruflicher oder privater Erfolg, Verbesserung der Gesundheit, Entwöhnung und alle die Ziele, die durch das Unterbewusstsein beeinflusst werden.
Zum Schluss werden Ausleitungstechniken und die Rücknahme der Hypnose geübt. Dies ist von großer Bedeutung, weil wir wollen sicher gehen, dass unser Proband wieder in seinem Normalbewusstsein zurückgekehrt ist.
Der Rest ist: üben, üben, üben. Jeder Teilnehmer hat mehrmals am Tag die Gelegenheit, eine Hypnose durchzuführen. Bei der Gelegenheit werden zahlreiche Varianten vorgestellt und auch geübt, die bei vielen Indikationen eingesetzt werden können. Erwähnt seien hier der posthypnotische Auftrag, die telepathische Hypnose und viele andere Verfahren.
Näheres finden Sie im Internet unter: www.hypnose-lehrer.de
Dort können Sie sich auch anmelden zu einem sechs-Tage-Ausbildungs-Kurs. Zusätzlich angeboten wird ein Kennen-Lern-Abend, an dem einige Hypnosetechniken vorgestellt werden.
Prof. Dr. med. Dyckhoff




